Denervierung (Thermokoagulation)

Gezielte Schmerztherapie bei Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden

Chronische Gelenk- oder Rückenschmerzen können den Alltag stark einschränken – unabhängig davon, ob die Beschwerden durch Arthrose, Überlastung oder degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule ausgelöst werden. Häufig werden zunächst konservative Maßnahmen ausgeschöpft: Physiotherapie, gezielter Muskelaufbau, Anpassung der Belastung, medikamentöse Schmerz- und Entzündungshemmung oder Injektionstherapien. Wenn diese Ansätze keine ausreichende und stabile Schmerzlinderung bringen, stehen viele Patientinnen und Patienten vor der Frage, ob eine Operation der nächste Schritt sein muss.

Die Denervierung (Radiofrequenz-Thermokoagulation) ist eine minimalinvasive Option, um chronische, klar lokalisierbare Schmerzen zu behandeln – insbesondere an kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenken), am Iliosakralgelenk (ISG) sowie bei ausgewählten Indikationen an Knie, Hüfte oder Schulter. Ziel ist es, die Schmerzleitung gezielt zu reduzieren, die Beweglichkeit zu verbessern und so häufig Zeit zu gewinnen, um weitere konservative und regenerative Maßnahmen konsequent umzusetzen. Bei ROC Ortho in Aschheim bei München wird die Denervierung in ein strukturiertes diagnostisches und therapeutisches Gesamtkonzept eingebettet.


Was bedeutet Denervierung?

Der Begriff „Denervierung“ beschreibt in diesem Zusammenhang nicht das „Durchtrennen“ großer Nerven, sondern die gezielte Behandlung feiner schmerzleitender Nervenäste. Diese Nervenfasern sind vor allem dafür zuständig, Schmerzsignale aus einem bestimmten Gelenk- oder Wirbelsäulenbereich an das Nervensystem weiterzugeben. Sie haben keine zentrale Funktion für Muskelkraft oder Bewegungssteuerung.

Bei der Denervierung werden diese schmerzleitenden Fasern kontrolliert thermisch beeinflusst, sodass sie Schmerzsignale vorübergehend nicht mehr oder deutlich vermindert weiterleiten. Das Gelenk selbst – also Knochen, Knorpel, Kapsel und Bänder – bleibt dabei strukturell erhalten.


Radiofrequenz-Thermokoagulation: Wie funktioniert das Verfahren?

Die Denervierung wird meist als Radiofrequenz-Thermokoagulation (RF) durchgeführt. Über eine sehr dünne Spezialkanüle wird eine Sonde in die Nähe des Zielnervs gebracht. Diese Sonde erzeugt hochfrequente elektrische Impulse, die an der Sondenspitze Wärme entstehen lassen. Die Wärme wirkt lokal auf das umliegende Gewebe, insbesondere auf die schmerzleitenden Nervenfasern.

Je nach Technik wird zwischen verschiedenen RF-Verfahren unterschieden, zum Beispiel:

  • kontinuierliche Radiofrequenz (thermische RF): gezielte Erwärmung, typischerweise im Bereich von ca. 60–90 °C, abhängig von Region, Protokoll und Zielstruktur
  • gepulste Radiofrequenz (pRF): geringere Temperaturspitzen, eher neuromodulierender Effekt, häufig in speziellen Konstellationen

Welche Methode sinnvoll ist, hängt von der Diagnose, der Zielregion und der individuellen Situation ab.

Wichtig für die Einordnung: Die Denervierung behandelt die Schmerzleitung, nicht die Ursache der Arthrose oder die strukturelle Veränderung selbst. Sie kann jedoch ein „therapeutisches Fenster“ schaffen, in dem wieder mehr Bewegung und Training möglich sind – und genau dieses Fenster ist häufig entscheidend.


Für wen eignet sich die Denervierung?

Die Denervierung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn folgende Punkte zusammenkommen:

  • Der Schmerz ist klar lokalisierbar (zum Beispiel gelenknah oder an definierbaren Wirbelgelenken).
  • Konservative Therapie wurde bereits durchgeführt, hat aber keine ausreichende oder keine stabile Wirkung erzielt.
  • Die Schmerzquelle lässt sich diagnostisch eingrenzen, idealerweise durch klinische Untersuchung, Bildgebung und diagnostische Blockaden.
  • Es besteht der Wunsch, eine Operation hinauszuzögern oder – wenn möglich – zu vermeiden.

Typische Anwendungsgebiete

Facettengelenkschmerzen der Wirbelsäule
Insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule (teils auch Halswirbelsäule) können Facettengelenke chronische Rückenschmerzen verursachen. Wenn der Schmerz mechanisch getriggert ist (z. B. bei Streckbewegungen, langem Stehen) und der Befund passt, kann die Denervierung eine sehr gute Option sein.

ISG-Schmerzen (Iliosakralgelenk)
Das ISG kann – häufig übersehen – relevante chronische Schmerzen im unteren Rücken/Beckenbereich auslösen. Bei typischem Beschwerdebild und bestätigender Diagnostik kann eine Denervierung zur deutlichen Entlastung beitragen.

Kniearthrose
Bei Kniearthrose können schmerzleitende Nervenäste rund um das Gelenk behandelt werden, wenn Schmerzen trotz Physiotherapie, Gewichtsmanagement, Injektionen oder orthopädischer Maßnahmen bestehen.

Hüftarthrose
In ausgewählten Fällen kann die Denervierung eine Zwischenlösung sein, um die Schmerzbelastung zu reduzieren und die Funktion zu stabilisieren – insbesondere, wenn ein Gelenkersatz aktuell noch nicht gewünscht oder medizinisch noch nicht zwingend ist.

Schulter/AC-Gelenk
Auch an der Schulter kann die gezielte Behandlung schmerzleitender Strukturen bei klarer Indikation hilfreich sein.


Wann ist eine Denervierung eher nicht geeignet?

Nicht jeder Schmerz ist „denervierbar“. Eine Denervierung ist typischerweise weniger geeignet, wenn:

  • der Schmerz diffus ist und sich keiner Zielstruktur sicher zuordnen lässt
  • eine akute Infektion oder entzündliche Haut-/Weichteilsituation im Behandlungsgebiet besteht
  • eine ausgeprägte Instabilität, hochgradige Fehlstellung oder schwere neurologische Symptomatik im Vordergrund steht, bei der andere Verfahren Vorrang haben
  • akute Nervenwurzelprobleme dominieren (z. B. starker radikulärer Schmerz mit neurologischen Ausfällen) – hier sind je nach Befund andere Konzepte (z. B. gezielte Nervenwurzeltherapien) zu prüfen
  • eine strukturelle Situation vorliegt, bei der ein operativer Eingriff medizinisch klar indiziert ist und eine Denervierung voraussichtlich nur eine sehr begrenzte Wirkung hätte

Der wichtigste Schritt: präzise Diagnose

Die Qualität der Denervierung steht und fällt mit der Diagnose. Bei ROC Ortho wird daher vor einer Denervierung strukturiert geprüft:

  • Wie ist das Schmerzprofil (Belastung, Ruhe, Tagesverlauf, Trigger)?
  • Welche klinischen Befunde sprechen für eine bestimmte Zielstruktur?
  • Welche Bildgebung passt zum Beschwerdebild (z. B. Röntgen, MRT, Sonographie – abhängig von Fragestellung)?
  • Gibt es Differenzialdiagnosen, die zuerst behandelt werden sollten (Muskeln, Sehnen, Nerven, Bandscheibe, Entzündung)?

Gerade bei Rückenschmerzen ist es entscheidend, nicht „ins Blaue“ zu behandeln, sondern die Schmerzquelle so gut wie möglich zu verifizieren.


Diagnostische Test-Infiltration: Bestätigung der Zielstruktur

Bevor eine Denervierung durchgeführt wird, wird in vielen Fällen eine diagnostische Blockade (Test-Infiltration) eingesetzt. Dabei wird ein lokales Betäubungsmittel gezielt an die vermutete schmerzleitende Struktur appliziert.

Das Ziel ist klar:
Wenn die Blockade deutlich und reproduzierbar die Schmerzen reduziert (für die erwartete Wirkdauer des Lokalanästhetikums), spricht das dafür, dass die Zielstruktur korrekt identifiziert wurde. Erst dann ist eine Denervierung als therapeutischer Schritt sinnvoll planbar.

Diese Vorgehensweise verbessert die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich und gehört zu einem seriösen Vorgehen.


Ablauf der Denervierung – Schritt für Schritt

1) Vorbereitung

  • Vor dem Eingriff werden relevante Faktoren geklärt, insbesondere:
  • aktuelle Medikamente (z. B. Blutverdünner – hier gelten individuelle ärztliche Vorgaben)
  • Begleiterkrankungen und Vorbefunde
  • Zielregion, Zugang und Bildkontrolle

2) Durchführung (ambulant)

  • Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant. Typische Schritte sind:
  • Lagerung je nach Zielregion (Bauch-, Rücken- oder Seitenlage)
  • Desinfektion und sterile Abdeckung
  • lokale Betäubung der Einstichstelle
  • millimetergenaue Positionierung der RF-Nadel unter Bildkontrolle
  • Teststimulation (je nach Region), um die Position zu überprüfen
  • Durchführung der Radiofrequenz-Anwendung nach Protokoll
  • ggf. Wiederholung an benachbarten Zielästen, wenn medizinisch erforderlich
  • Viele Patientinnen und Patienten beschreiben den Eingriff als unangenehm, aber gut tolerierbar. Eine Vollnarkose ist in der Regel nicht erforderlich.

3) Nachbeobachtung

  • Im Anschluss erfolgt eine kurze Überwachungsphase. Sie erhalten Hinweise zu:
  • Schonung und Belastungsaufbau
  • Verhalten am Behandlungstag (z. B. Autofahren je nach individueller Situation)
  • möglicher vorübergehender Reizung in den ersten Tagen
  • sinnvoller Nachbehandlung (Physiotherapie, Training, ggf. weitere Therapieschritte)

Videos

Denervierung der Hüfte bei massiver Arthrose
Denervierung bei Kniearthrose
Denervierung des Schultergelenks

Wie schnell setzt die Wirkung ein – und wie lange hält sie?

Der zeitliche Verlauf kann individuell unterschiedlich sein. Häufig gilt:

  • kurzfristig kann das Areal durch den Eingriff gereizt sein (ähnlich „muskelkaterartig“)
  • die eigentliche Schmerzlinderung entwickelt sich bei vielen Patientinnen und Patienten innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen
  • die Wirkungsdauer ist zeitlich begrenzt, da Nerven regenerationsfähig sind – von mehreren Monaten bis hin zu mehreren Jahren – abhängig von Diagnose, Aktivität, Begleittherapie und Progression der Grunderkrankung.

Wichtig: Die Denervierung ist besonders dann nachhaltig, wenn die gewonnene Schmerzreduktion genutzt wird für:

  • gezielten Muskelaufbau
  • Verbesserung von Beweglichkeit und Stabilität
  • Anpassung von Belastung und Ergonomie
  • ggf. regenerative oder orthobiologische Therapiebausteine, wenn medizinisch sinnvoll

Vorteile der Denervierung

Die Denervierung hat mehrere klare Stärken:

  • minimalinvasiv (kleiner Hautzugang)
  • ambulant durchführbar
  • keine strukturelle Veränderung des Gelenks
  • in der Regel keine Vollnarkose notwendig
  • kann helfen, Schmerzmedikation zu reduzieren
  • kann eine Operation hinauszögern und Zeit für Training und Stabilisierung schaffen
  • lässt sich in ein multimodales Konzept integrieren (Physio, Training, Injektionen, regenerative Ansätze – je nach Indikation)

Grenzen, Nebenwirkungen und Risiken

Ein seriöser Text braucht auch die Grenzen. Mögliche, meist vorübergehende Nebenwirkungen sind:

  • Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle
  • lokale Hämatome
  • vorübergehend verstärkte Schmerzen durch Gewebereizung
  • vorübergehende Missempfindungen oder Taubheitsgefühl im behandelten Areal (je nach Region)
  • Seltene Risiken (abhängig von Region und Anatomie) können sein:
  • Infektionen (trotz steriler Technik selten)
  • Verletzung benachbarter Strukturen
  • anhaltendere Sensibilitätsstörungen

Bei ROC Ortho wird durch standardisierte Abläufe, sterile Technik und präzise Bildkontrolle daran gearbeitet, Risiken so weit wie möglich zu minimieren. Entscheidend ist zudem die sorgfältige Indikationsstellung: Nicht jede Schmerzkonstellation sollte denerviert werden.


Denervierung im Gesamtkonzept bei ROC Ortho

Die Denervierung ist häufig besonders sinnvoll, wenn sie nicht als „Einzellösung“ verstanden wird, sondern als Bestandteil eines Therapieplans. Nach erfolgreicher Schmerzlinderung stehen meist zwei Ziele im Vordergrund:

  1. Funktion wiederherstellen: mehr Bewegung, mehr Belastbarkeit, sicherer Alltag
  2. Rückfallrisiko senken: durch Stabilisierung, Kraft, Mobilität und passende Begleittherapie

Je nach Situation kann das Gesamtkonzept Bausteine enthalten wie:

  • gezielte Physiotherapie und aktives Training
  • Infiltrationstherapien (diagnostisch oder therapeutisch)
  • orthopädische Hilfsmittel und Belastungssteuerung
  • regenerative/orthobiologische Verfahren, wenn medizinisch angezeigt (nicht als Ersatzdiagnose, sondern indikationsbezogen)

Häufige Fragen (FAQ) – kurz und klar

Ist die Denervierung schmerzhaft?
Die Einstichstelle wird lokal betäubt. Der Eingriff wird meist gut toleriert. Kurzzeitig kann es zu Reizschmerzen kommen.

Kann man danach sofort wieder aktiv sein?
Oft ist eine vorsichtige Belastung schnell möglich. Der konkrete Belastungsaufbau erfolgt individuell nach behandelter Region und Befund.

Kann die Denervierung eine Operation ersetzen?
Sie ersetzt nicht jede Operation, kann aber häufig Zeit gewinnen und Beschwerden deutlich reduzieren – vor allem, wenn die Grunderkrankung moderat ist und aktiv stabilisiert werden kann.

Kann man die Denervierung wiederholen?
Wenn Schmerzen nach Monaten oder Jahren erneut auftreten und die Indikation weiterhin besteht, kann eine Wiederholung geprüft werden.


Beratung bei ROC Ortho in Aschheim bei München

Ob eine Denervierung in Ihrem Fall sinnvoll ist, lässt sich zuverlässig nur durch eine gründliche orthopädische Diagnostik und eine klare Zuordnung der Schmerzquelle beurteilen. Bei ROC Ortho in Aschheim bei München nehmen wir uns Zeit für eine strukturierte Abklärung, eine transparente Empfehlung und – wenn passend – eine sorgfältig geplante, minimalinvasive Behandlung.

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