Chronische Gelenk- oder Rückenschmerzen können den Alltag stark einschränken – unabhängig davon, ob die Beschwerden durch Arthrose, Überlastung oder degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule ausgelöst werden. Häufig werden zunächst konservative Maßnahmen ausgeschöpft: Physiotherapie, gezielter Muskelaufbau, Anpassung der Belastung, medikamentöse Schmerz- und Entzündungshemmung oder Injektionstherapien. Wenn diese Ansätze keine ausreichende und stabile Schmerzlinderung bringen, stehen viele Patientinnen und Patienten vor der Frage, ob eine Operation der nächste Schritt sein muss.
Die Denervierung (Radiofrequenz-Thermokoagulation) ist eine minimalinvasive Option, um chronische, klar lokalisierbare Schmerzen zu behandeln – insbesondere an kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenken), am Iliosakralgelenk (ISG) sowie bei ausgewählten Indikationen an Knie, Hüfte oder Schulter. Ziel ist es, die Schmerzleitung gezielt zu reduzieren, die Beweglichkeit zu verbessern und so häufig Zeit zu gewinnen, um weitere konservative und regenerative Maßnahmen konsequent umzusetzen. Bei ROC Ortho in Aschheim bei München wird die Denervierung in ein strukturiertes diagnostisches und therapeutisches Gesamtkonzept eingebettet.
Der Begriff „Denervierung“ beschreibt in diesem Zusammenhang nicht das „Durchtrennen“ großer Nerven, sondern die gezielte Behandlung feiner schmerzleitender Nervenäste. Diese Nervenfasern sind vor allem dafür zuständig, Schmerzsignale aus einem bestimmten Gelenk- oder Wirbelsäulenbereich an das Nervensystem weiterzugeben. Sie haben keine zentrale Funktion für Muskelkraft oder Bewegungssteuerung.
Bei der Denervierung werden diese schmerzleitenden Fasern kontrolliert thermisch beeinflusst, sodass sie Schmerzsignale vorübergehend nicht mehr oder deutlich vermindert weiterleiten. Das Gelenk selbst – also Knochen, Knorpel, Kapsel und Bänder – bleibt dabei strukturell erhalten.
Die Denervierung wird meist als Radiofrequenz-Thermokoagulation (RF) durchgeführt. Über eine sehr dünne Spezialkanüle wird eine Sonde in die Nähe des Zielnervs gebracht. Diese Sonde erzeugt hochfrequente elektrische Impulse, die an der Sondenspitze Wärme entstehen lassen. Die Wärme wirkt lokal auf das umliegende Gewebe, insbesondere auf die schmerzleitenden Nervenfasern.
Je nach Technik wird zwischen verschiedenen RF-Verfahren unterschieden, zum Beispiel:
Welche Methode sinnvoll ist, hängt von der Diagnose, der Zielregion und der individuellen Situation ab.
Wichtig für die Einordnung: Die Denervierung behandelt die Schmerzleitung, nicht die Ursache der Arthrose oder die strukturelle Veränderung selbst. Sie kann jedoch ein „therapeutisches Fenster“ schaffen, in dem wieder mehr Bewegung und Training möglich sind – und genau dieses Fenster ist häufig entscheidend.
Die Denervierung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn folgende Punkte zusammenkommen:
Facettengelenkschmerzen der Wirbelsäule
Insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule (teils auch Halswirbelsäule) können Facettengelenke chronische Rückenschmerzen verursachen. Wenn der Schmerz mechanisch getriggert ist (z. B. bei Streckbewegungen, langem Stehen) und der Befund passt, kann die Denervierung eine sehr gute Option sein.
ISG-Schmerzen (Iliosakralgelenk)
Das ISG kann – häufig übersehen – relevante chronische Schmerzen im unteren Rücken/Beckenbereich auslösen. Bei typischem Beschwerdebild und bestätigender Diagnostik kann eine Denervierung zur deutlichen Entlastung beitragen.
Kniearthrose
Bei Kniearthrose können schmerzleitende Nervenäste rund um das Gelenk behandelt werden, wenn Schmerzen trotz Physiotherapie, Gewichtsmanagement, Injektionen oder orthopädischer Maßnahmen bestehen.
Hüftarthrose
In ausgewählten Fällen kann die Denervierung eine Zwischenlösung sein, um die Schmerzbelastung zu reduzieren und die Funktion zu stabilisieren – insbesondere, wenn ein Gelenkersatz aktuell noch nicht gewünscht oder medizinisch noch nicht zwingend ist.
Schulter/AC-Gelenk
Auch an der Schulter kann die gezielte Behandlung schmerzleitender Strukturen bei klarer Indikation hilfreich sein.
Nicht jeder Schmerz ist „denervierbar“. Eine Denervierung ist typischerweise weniger geeignet, wenn:
Die Qualität der Denervierung steht und fällt mit der Diagnose. Bei ROC Ortho wird daher vor einer Denervierung strukturiert geprüft:
Gerade bei Rückenschmerzen ist es entscheidend, nicht „ins Blaue“ zu behandeln, sondern die Schmerzquelle so gut wie möglich zu verifizieren.
Bevor eine Denervierung durchgeführt wird, wird in vielen Fällen eine diagnostische Blockade (Test-Infiltration) eingesetzt. Dabei wird ein lokales Betäubungsmittel gezielt an die vermutete schmerzleitende Struktur appliziert.
Das Ziel ist klar:
Wenn die Blockade deutlich und reproduzierbar die Schmerzen reduziert (für die erwartete Wirkdauer des Lokalanästhetikums), spricht das dafür, dass die Zielstruktur korrekt identifiziert wurde. Erst dann ist eine Denervierung als therapeutischer Schritt sinnvoll planbar.
Diese Vorgehensweise verbessert die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich und gehört zu einem seriösen Vorgehen.
Der zeitliche Verlauf kann individuell unterschiedlich sein. Häufig gilt:
Wichtig: Die Denervierung ist besonders dann nachhaltig, wenn die gewonnene Schmerzreduktion genutzt wird für:
Die Denervierung hat mehrere klare Stärken:
Ein seriöser Text braucht auch die Grenzen. Mögliche, meist vorübergehende Nebenwirkungen sind:
Bei ROC Ortho wird durch standardisierte Abläufe, sterile Technik und präzise Bildkontrolle daran gearbeitet, Risiken so weit wie möglich zu minimieren. Entscheidend ist zudem die sorgfältige Indikationsstellung: Nicht jede Schmerzkonstellation sollte denerviert werden.
Die Denervierung ist häufig besonders sinnvoll, wenn sie nicht als „Einzellösung“ verstanden wird, sondern als Bestandteil eines Therapieplans. Nach erfolgreicher Schmerzlinderung stehen meist zwei Ziele im Vordergrund:
Je nach Situation kann das Gesamtkonzept Bausteine enthalten wie:
Ist die Denervierung schmerzhaft?
Die Einstichstelle wird lokal betäubt. Der Eingriff wird meist gut toleriert. Kurzzeitig kann es zu Reizschmerzen kommen.
Kann man danach sofort wieder aktiv sein?
Oft ist eine vorsichtige Belastung schnell möglich. Der konkrete Belastungsaufbau erfolgt individuell nach behandelter Region und Befund.
Kann die Denervierung eine Operation ersetzen?
Sie ersetzt nicht jede Operation, kann aber häufig Zeit gewinnen und Beschwerden deutlich reduzieren – vor allem, wenn die Grunderkrankung moderat ist und aktiv stabilisiert werden kann.
Kann man die Denervierung wiederholen?
Wenn Schmerzen nach Monaten oder Jahren erneut auftreten und die Indikation weiterhin besteht, kann eine Wiederholung geprüft werden.
Ob eine Denervierung in Ihrem Fall sinnvoll ist, lässt sich zuverlässig nur durch eine gründliche orthopädische Diagnostik und eine klare Zuordnung der Schmerzquelle beurteilen. Bei ROC Ortho in Aschheim bei München nehmen wir uns Zeit für eine strukturierte Abklärung, eine transparente Empfehlung und – wenn passend – eine sorgfältig geplante, minimalinvasive Behandlung.
Vereinbaren Sie Ihren Termin zur Beratung bei uns in der Praxis!